
Mutige Hörbuchneuheiten
Eine weitere Empfehlung von Verlegerin Daniela Utecht ist das Hörbuch „Im Zeitalter der Identität“, in dem sich der Politikwissenschaftler Yascha Mounk mit dem vieldiskutierten Thema Identitätspolitik auseinandersetzt.
Wie Frauen Geschichte schrieben – und Männer dafür den Ruhm ernteten, das ist das Thema der nächsten Neuerscheinung aus dem Hause Lagato. Die Historikerin Leonie Schöler erzählt in „Beklaute Frauen“ von Ehefrauen, Töchtern oder Geliebten, für deren Leistungen Männer die Auszeichnungen und den Ruhm ernteten. Männer wie Karl Marx, Bertolt Brecht oder Albert Einstein.
Mit derart brandaktuellen Themen behauptet sich der Lagato Verlag seit seiner Gründung 2005 auf einem boomenden wie schwierigen Markt. Ohrenschmaus für Wissenshungrige gibt es zu so unterschiedlichen Themen wie Klimawandel, erneuerbare Energien, Radikalisierung der Gesellschaft und Gleichberechtigung, Erziehung, Psychologie und Achtsamkeit, aber auch zu (Astro-)Physik, Hirnforschung, Biologie und Traumatherapie. Pro Jahr kommen 24 Titel dazu.
Der kreative Kopf hinter Lagato: Daniela Utecht. Mit dem Sachbuch hat sie sich der hohen Kunst des Hörbuch-Machens verschrieben. Hohe Kunst, weil es insbesondere beim Sachbuch gut ausgebildete Sprecherinnen und Sprecher braucht, die den Hörer bei der Stange halten können. Zugleich erfordern die Produktionen ein großes Maß an wissenschaftlicher Recherche und Prüfung.
Apropos Sprecher. Viele Autorinnen und Autoren sprechen heutzutage ihre Bücher selbst ein, immer öfter kommen jedoch auch KI-generierte Stimmen zum Einsatz. Utecht setzt dagegen bewusst auf professionelle Sprecherinnen und Sprecher aus Schauspiel und Theater. „Wenn ich einen Text lese, höre ich bereits, welche Stimmlagen der Text braucht“, erklärt sie. Ihre komplexen Themen bräuchten Profis, die auch so wichtige Nuancen wie die richtige Betonung und das Setzen von Pausen an den richtigen Stellen beherrschten.
Vielstimmigkeit in Gefahr
Hörbücher, Hörspiele und Podcasts erreichen nahezu jedes Jahr neue Rekordwerte. Eine aktuelle Audible-Studie ergab, dass 41 Prozent der befragten Deutschen mindestens einmal im Monat Hörbücher, Hörspiele oder Podcasts konsumieren. Der Trend beim Konsum geht dabei verstärkt in Richtung Download und Streaming. Ein Umstand, den Daniela Utecht durchaus kritisch sieht, denn „Streaming wird unterirdisch bezahlt“.
Ebenso kritisch betrachtet die Verlegerin den zunehmenden Konzentrationsprozess in ihrer Branche. Sie fürchtet um die Vielstimmigkeit, wenn immer mehr kleine Verlage von den Big Playern aufgekauft werden. „Wir brauchen Vielstimmigkeit und eine breite, unabhängige Verlagslandschaft“, fordert sie. Dabei könne eine strukturelle Förderung helfen, aber nicht mit der Gießkanne. Vielmehr müsse man genau hinschauen, was und wen man fördere. Gesellschaftliche Relevanz könne da zum Beispiel ein Kriterium sein. Ganz praktische Hilfe versprechen dagegen dotierte Auszeichnungen wie der Sächsische Verlagspreis, mit dem der Lagato Verlag 2023 ausgezeichnet wurde. „Mit unserem letzten Preisgeld haben wir eine Produktdatenbank aufgebaut.“
Love is love – Neues Label für queere Liebesgeschichten
Der durchaus anspruchsvollen Kost ihrer Sachbücher setzt Daniela Utecht seit kurzem die Liebe entgegen. Seit dem 14. Februar – pünktlich zum Valentinstag - gibt es das neue Hörbuch-Label Rainbow Romance für queere Love Stories. Entstanden ist die Idee nach einem Treffen mit einer Thüringer Kollegin, die seit Jahren in ihrem Second Chances Verlag unter dem Motto „Love is love“ populäre Reihen dieses boomenden Genres wie „Fake Boyfriends“ oder „Famous“ als Printbücher verlegt.
„Als Ergänzung zu den Sachbüchern und Ratgebern, die wir im Lagato Verlag publizieren, wollen wir bei Rainbow Romance queere Liebesgeschichten für alle hörbar machen und den Lebens- und Liebeswelten eines nicht ganz unbeträchtlichen Teils der Bevölkerung eine Stimme geben“, beschreibt Utecht ihre Beweggründe.